Get Well Soon beschwören die Geister der KI in Frankfurt

Get Well Soon | Séance Press Pictures © Oskar Funke
Get Well Soon | Séance Press Pictures © Oskar Funke

Get Well Soon kommen am 25. Januar 2027 mit ihrer SÉANCE Tour 2027 ins Zoom in Frankfurt. Hinter dem Namen steht Konstantin Gropper, einer der eigenwilligsten Songwriter und Produzenten der deutschen Musikszene. Seit rund zwei Jahrzehnten verbindet er unter dem Namen Get Well Soon opulente Arrangements mit Pop, Rock, Folk, Elektronik und immer wieder auch ausgesprochen dunklen Klangfarben. Sein neues Album SÉANCE führt diese Vorliebe für das Unheimliche nun konsequent weiter.

Vom Songwriter zum Klanguniversum

Als Get Well Soon 2008 mit Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon debütierten, war bereits erkennbar, dass Gropper seine Musik nicht nach den üblichen Grenzen des Indie-Pop sortieren wollte. Es folgten Vexations, The Scarlet Beast O’Seven Heads, Love und The Horror, allesamt Alben, die ihre eigenen Klangwelten entwarfen. Dabei konnte Gropper ebenso mit orchestraler Opulenz wie mit elektronischen Texturen, klassischem Songwriting oder den dunkleren Seiten des Pop arbeiten.

Auch abseits von Get Well Soon ist Gropper seit Jahren als Komponist und Produzent aktiv. Er schrieb Musik für Film, Fernsehen und Theater, arbeitete unter anderem für Wim Wenders und Detlev Buck und war an Produktionen anderer Musiker beteiligt. Für die Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast) komponierte er die Musik für drei Staffeln. Diese Arbeit an unterschiedlichen Formen von Musik erklärt vielleicht auch, warum seine eigenen Alben selten wie gewöhnliche Song-Sammlungen wirken. Sie sind eher kleine, sorgfältig gebaute Universen.

Mit Amen erschien 2022 das bislang letzte Get-Well-Soon-Album, gefolgt von einer längeren Pause. 2026 meldete sich Gropper gleich mit zwei neuen Alben zurück. Auf Minus the Magic entdeckte er den Sound seiner musikalischen Jugend wieder und arbeitete stärker mit seiner Band. SÉANCE schlägt dagegen eine deutlich dunklere und atmosphärischere Richtung ein.

Eine Séance mit der künstlichen Intelligenz

Der Ausgangspunkt von SÉANCE war ein Experiment: Gropper wollte Künstliche Intelligenz nicht einfach als Bedrohung oder technische Spielerei betrachten, sondern sie in seinen kreativen Prozess einbeziehen. Dafür arbeitete er mit verschiedenen KI-Systemen und versuchte unter anderem, Texte und musikalische Ideen zu entwickeln.

Das Ergebnis fiel allerdings anders aus als erwartet. Die KI erwies sich nicht als kreativer Ersatz für den Menschen. Vielmehr führten ihre Fehler und Fehlschläge Gropper zu neuen Ideen. Aus dem Versuch, ein Album mit KI zu machen, wurde deshalb ein Album über KI.

Der Titel SÉANCE ist dabei durchaus wörtlich gemeint. Für Gropper hat die Kommunikation mit ChatGPT, Claude und anderen Systemen etwas von Geisterbeschwörung: Man stellt eine Frage und erhält eine Antwort aus einer Quelle, deren Funktionsweise man zwar technisch beschreiben kann, deren konkrete Reaktion aber dennoch etwas Unberechenbares besitzt. Gleichzeitig beschäftigt sich das Album mit der Frage, wie viel Vergangenheit in einer Technologie steckt, die gerne als Sinnbild der Zukunft präsentiert wird.

Musikalisch wird daraus kein trockenes Konzeptalbum. Gropper bezeichnet SÉANCE selbst als sein „Gothic-Album“, und tatsächlich sind die Stücke dunkler, gespenstischer und atmosphärischer als auf dem unmittelbaren Vorgänger. „Goth 101“, „Hallucination No. 4“ und „Siri, What Ruined The West?“ verbinden elektronische und rockige Elemente mit Groppers charakteristischer Opulenz. „Nothing Is Lost“ und „Witness Impact“ führen dagegen in nachdenklichere, fast unheimlich entrückte Bereiche.

Auch die Vergangenheit wird auf SÉANCE gewissermaßen beschworen. Sampling und sogenannte „found footage“-Elemente greifen musikalische und kulturelle Erinnerungen auf, darunter Bezüge zu Stanley Kubrick, Charles Ives und alten Aufnahmen. Die Vergangenheit erscheint dabei nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als Material, das in der Gegenwart weiterwirkt.

Zurück in den Club

Nach den aufwendig besetzten Tourneen zu The Horror, die Get Well Soon unter anderem in die Elbphilharmonie Hamburg und die Kölner Philharmonie führten, ist die Rückkehr in die Clubs eine bewusste Veränderung. Für SÉANCE steht wieder eine kleinere Besetzung im Mittelpunkt. Neben Gropper sind seine Schwester Verena Gropper, Alex Mayr und Schlagzeuger Paul Kenny auf dem Album zu hören.

Das passt zu einem Album, das trotz seiner konzeptionellen Ausgangsidee erstaunlich unmittelbar bleibt. Zwischen Gothic, Pop, Elektronik, orchestraler Dramatik und schwarzem Humor entsteht eine Musik, die ihre großen Gesten nicht scheut, ihnen aber immer wieder etwas Verstörendes entgegensetzt.

Am 25. Januar 2027 bringt Get Well Soon diese neue, dunklere Seite ins Zoom Frankfurt. Eine Séance also, bei der es weniger darum geht, Antworten aus einer Maschine zu bekommen, als um die Frage, was am Ende übrig bleibt, wenn der vermeintlich intelligente Sparringspartner schweigt und der Künstler selbst wieder das letzte Wort hat.

Get Well Soon

📅 Datum: 25. Januar 2027 · 20:00 Uhr
📍 Ort: Zoom, Frankfurt am Main