Robots of the 80s live im Ponyhof Frankfurt 30.01.2026

Robots of the 80s - Live im Ponyhof, Frankfurt
Robots of the 80s im Ponyhof | © rabirius, 2026

Manchmal fühlt sich ein Konzert an wie eine Zeitkapsel. So ein Abend war das im Ponyhof Frankfurt, als Robots of the 80s zum Release ihres zweiten Albums Logic Drama luden. Schon der Name der Band ließ keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen sollte. Es wurde ein Abend im Zeichen der Achtziger, zwischen Nostalgie, Synthesizern und der Frage, wie viel Zukunft in Retro stecken kann.

Voltarenes live im Ponyhof
Voltarenes im Ponyhof | © rabirius, 2026

Den Auftakt machte das Hamburger Minimal Wave Trio Voltarenes, das mit einer Mischung aus New Wave und Neuer Deutscher Welle den Rahmen für den Abend setzte. Ihr Set hätte problemlos in der ersten Hälfte der 1980er Jahre stattfinden können. Kühler Wave, reduzierte Elektronik und eine markante Bassgitarre bestimmten den Sound.

Gerade der Bass verlieh den Songs stellenweise einen deutlichen The Cure Einschlag, besonders in dem Moment, als das Effektgerät ausfiel und der Klang rauer und unmittelbarer wurde. Das tat der Atmosphäre keinen Abbruch, im Gegenteil. Der Auftritt wirkte angenehm ungekünstelt und passte hervorragend zum Konzept des Abends.

Zwischen Retro und Gegenwart

Bei Robots of the 80s selbst wurde das 80er Flair dann etwas gebrochen. Die Bassgitarre klang treibender und direkter, weniger flächig nostalgisch, was die Musik deutlich in die Gegenwart holte. Auch die Beats wirkten moderner, dichter und druckvoller als viele ihrer historischen Vorbilder. Trotzdem blieb der Gesamteindruck klar im Bereich eines 80er Revival verortet, nur eben mit zeitgenössischem Drive.

Musikalisch bewegte sich die Band hörbar im Spannungsfeld zwischen Kraftwerk, den verspielten frühen Phasen von Depeche Mode und The Human League. Analoge Synthflächen trafen auf klare Sequenzen, eingängige Melodien auf maschinenhafte Strukturen. Einige der Melodielinien erinnerten dabei deutlich an Soundtracks früher Computerspiele der 1980er Jahre, mit ihren einfachen, aber einprägsamen Motiven, die sofort Bilder von Pixelgrafik und Heimcomputern wachrufen. Genau dieses Spiel mit Mensch und Maschine, das auch in ihrer Selbstdarstellung eine zentrale Rolle spielt, zog sich durch den gesamten Auftritt.

Bühne wie ein Serverraum

Visuell bot der Auftritt fast ebenso viel wie musikalisch. Im Hintergrund standen zwei große Kästen mit farbig blinkenden Lichtern, die an einen Serverraum erinnerten und die Bühne in ein kaltes, digitales Ambiente tauchten. Wer nach Ankündigung echte Roboter auf der Bühne erwartet hatte, wurde allerdings überrascht. Stattdessen stand mit Heiko Wersing, Keyboarder, Sänger und kreativer Kopf hinter dem Projekt, eine Art menschliche Schnittstelle zwischen Technik und Performance im Mittelpunkt.

Heiko Wersing bei Robots of the 80s am Keyboard
Maschine: Heiko Wersing am Keyboard | © rabirius, 2026

Wersing trug einen Spandex Anzug, unter dem zahlreiche kleine Lichter leuchteten, passend zu den Lichtobjekten im Bühnenbild. Der Anzug wirkte beeindruckend, auch wenn das Kabel, das ihn mit Energie versorgte, stets sichtbar blieb. In seiner Gesamterscheinung erinnerte Wersing eher an ein androgynes Wesen aus einer frühen Star Trek oder Doctor Who Folge als an einen Roboter.

Bassist David L. setzte dazu einen bewussten Kontrast. Jeans, T-Shirt, darauf viele kleine Roboter, und zusätzlich ein kleines elektronisches Leuchtschild mit der Aufschrift „Mensch“. Dieses augenzwinkernde Spiel mit Rollenbildern und Identitäten war eines der stärksten visuellen Elemente des Abends.

Tanzbarer Maschinenpop

Im Laufe des Konzerts entwickelte die Band einen immer dichteren Groove. Das Publikum ließ sich zunehmend mitziehen, bis in den vorderen Reihen fast durchgehend getanzt oder zumindest deutlich im Rhythmus mitgegangen wurde. Der Ponyhof verwandelte sich für eine Weile fast in eine kleine Retro-Disco mit Zukunftsvision.

David L., Bassist von Robots of the 80s
Mensch: David L. am Bass | @ rabirius, 2026

Auf Dauer etwas anstrengend wirkten allerdings die permanent eingesetzten Vocoder-Vocals, die stark an Roboterstimmen erinnerten. Was als stilistisches Mittel gedacht war, verlor über die Länge des Sets etwas an Wirkung und nahm den Songs stellenweise emotionale Nuancen.

Mehr als nur 80er Zitat

Trotz aller Nostalgie blieb der Eindruck, dass Robots of the 80s mehr wollen als reine Rückschau. Ihr Sound greift die Ästhetik des Synthpop der 80er auf, verbindet sie aber mit moderner Produktion und thematischer Aktualität. Zwischen tanzbaren Sequenzen, blinkender Elektronik und der Frage nach dem Verhältnis von Mensch, Maschine und KI entstand ein stimmiges Gesamtkonzept, das sowohl Retro-Fans als auch Freunde zeitgenössischer elektronischer Musik ansprechen dürfte.

Der Abend im Ponyhof war damit nicht nur eine Reise zurück, sondern auch ein Blick nach vorn. Genau in diesem Spannungsfeld funktionieren Robots of the 80s am besten.