Morrissey live in der Jahrhunderthalle Frankfurt, 17.02.2026

Morrissey - Pressefoto
Morrissey – Pressefoto | © Tour Design Creative

Kann Morrissey heute noch überzeugen? Diese Frage begleitet wohl viele, die sich für eines seiner Konzerte entscheiden. Der ehemalige Sänger der Smiths polarisiert seit Jahren, nicht nur musikalisch. Politisch fragwürdige Äußerungen haben zahlreiche Fans enttäuscht, dennoch bleibt die künstlerische Substanz unbestritten. Die Smiths gelten bis heute als eine der bedeutendsten britischen Gitarrenpopbands, auch Morrisseys frühe Soloalben haben ganze Generationen durch melancholische Phasen begleitet. Grund genug, die Jahrhunderthalle in Frankfurt gut zu füllen.

Die Anreise gestaltete sich mühsam. Stau auf dem Parkplatz, überhöhte Parkgebühren und anschließend lange Warteschlangen an den Getränkeständen prägten den Auftakt. Besonders ärgerlich: Die Stände akzeptieren entweder nur Kartenzahlung oder Bargeld, ersichtlich jedoch erst direkt an der Kasse. Wer die falsche Reihe wählt, darf sich erneut anstellen. Bei der Rückgabe nach dem Konzert waren sogar nur noch vier Stände geöffnet um das nicht unerhebliche Pfand von drei Euro pro Plastikbecher einzutreiben. Keine optimale Einstimmung.

Film statt Vorband

Pünktlich um 20 Uhr begann das Konzert jedoch nicht mit Musik, sondern mit Film. Fast 40 Minuten Videoclips und Filmausschnitte flimmerten über die Leinwand. Von den Stooges, Ramones und New York Dolls über Sigue Sigue Sputnik und Kid Creole & the Coconuts bis hin zu Gene Pitney und Judy Garland. Eine eigenwillige kuratorische Entscheidung, die Morrisseys ästhetische Referenzen offenlegt, zugleich aber Geduld verlangt. Einigen im Publikum wurde die Warterei sichtbar zu lang. Eine klassische Vorband hätte womöglich mehr Dynamik erzeugt.

Klassiker und Raritäten

Als Morrissey schließlich die Bühne betrat, eröffnete er mit Billy Budd und I Just Want to See the Boy Happy, zwei eher rockigen Stücken, die Energie aufbauten. Mit How Soon Is Now? folgte bereits der erste große Smiths-Klassiker, spätestens jetzt stand das Publikum geschlossen hinter ihm. Weitere Höhepunkte aus der Smiths-Ära folgten strategisch verteilt über den Abend: Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me und A Rush and a Push and the Land Is Ours erinnerten an jene Phase, in der Morrissey und Johnny Marr pophistorische Standards setzten.

Die Setlist war jedoch keine nostalgische Hitparade. Morrissey griff tief in seine Soloalben, spielte Album Tracks und B-Seiten aus älteren Alben wie Ringleader of the Tormentors oderVauxhall and I. Drei Songs vom neuen Album Make-Up Is a Lie, das im März erscheinen wird, wurden ebenfalls präsentiert. Während die rockigeren Eröffnungsnummern und Klassiker wie How Soon Is Now? Energie aufbauten, legte der Abend insgesamt einen Schwerpunkt auf ruhigere, introspektive Momente. Morrissey gab den perfekten Crooner, souverän, emotional präzise und stimmlich überraschend stark.

In der zweiten Konzerthälfte folgte das erwartete Doppelpack: Everyday Is Like Sunday und Suedehead direkt hintereinander, für viele im Publikum wohl der emotionale Höhepunkt. Doch gleich danach bewies Morrissey bei Life Is a Pigsty, dass seine stimmlichen Fähigkeiten weit über bloße Nostalgie hinausreichen. Die schwierigen Melodiepassagen meisterte er mit Leichtigkeit und spürbarer Hingabe.

Beeindruckend auch Jack the Ripper, die B-Seite von Certain People I Know. Die Bühne tauchte in rotes Licht, dichter Nebel verschluckte die Musikerinnen und Musiker nahezu vollständig. Eine intensive, fast theatralische Inszenierung, die den morbiden Text visuell verstärkte.

Während des gesamten Konzerts liefen Filmloops auf der großen Leinwand, die über die gesamte Bühne gespannt war. Die Bilder waren passend zu den Stücken ausgewählt und verstärkten die emotionale Wirkung. Allerdings hing die Leinwand etwas tief, wodurch der Eindruck entstand, sie berühre beinahe die Köpfe der Musikerinnen und Musiker. Eine technische Kleinigkeit, die jedoch auffiel.

Ein letzter Lichtstrahl

Als Zugabe folgte lediglich ein einziges Stück: There Is a Light That Never Goes Out. Ein letzter Rückgriff auf die Smiths-Ära, trotz seiner Melancholie ein erhebender Moment, der das Publikum nochmals vollständig einfing. Ein würdiger Abschluss für einen Abend, der zwar schnellere Nummern und bekannte Hits bot, jedoch seinen Schwerpunkt auf intime, stimmlich anspruchsvolle Momente legte.

Morrissey lieferte ein solides, stellenweise berührendes Konzert. Die Songauswahl bevorzugte ruhigere Töne gegenüber den schnelleren Pop-Nummern, was dem Abend eine intime Qualität verlieh, die in einer großen Halle nicht ganz zur Geltung kam. Ein kleinerer Rahmen hätte der Darbietung womöglich besser entsprochen. Stimmlich überzeugte Morrissey durchweg, die visuelle Inszenierung unterstützte die Songs wirkungsvoll, wenn auch nicht perfekt umgesetzt. Die organisatorischen Mängel rund um Parkplatz und Getränkeversorgung trübten das Erlebnis leicht, änderten jedoch nichts daran, dass Morrissey auch 2026 noch ein eindrucksvoller Live-Künstler ist, vorausgesetzt, das Publikum lässt sich auf seine eigenwilligen Entscheidungen ein.

Hinweis: Für dieses Konzert lag keine Fotogenehmigung vor. Aus diesem Grund enthält dieser Bericht ein Pressefoto.