Pixies live in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Pixies (Pressefoto) | © Travis Shinn
Pixies (Pressefoto) | © Travis Shinn

Vierzig Jahre sind im Popgeschäft oft ein Anlass für Rückblicke. Bei den Pixies hingegen wirkt selbst das Jubiläum wie ein weiterer Schritt nach vorn, als würde die eigene Vergangenheit eher als Rohmaterial dienen denn als Denkmal.

Ursprung und Bruchstellen

Die Geschichte beginnt Mitte der Achtzigerjahre in Boston, unscheinbar und doch folgenreich. Black Francis und Joey Santiago suchen eine Mitstreiterin und finden sie in Kim Deal, deren Instinkt wichtiger wird als jede formale Ausbildung. Gemeinsam mit David Lovering entsteht ein Klang, der sich jeder klaren Zuordnung entzieht. Frühwerke wie Surfer Rosa und Doolittle verbinden eruptive Lautstärke mit fast zerbrechlichen Melodien. Gerade dieses Spannungsverhältnis wird später stilprägend, weit über die eigene Diskografie hinaus.

Dass Bands an ihren eigenen Gegensätzen scheitern, ist kein neues Phänomen. Auch hier führt die innere Dynamik schließlich zum Bruch. Anfang der Neunziger verstummen die Pixies abrupt. Was bleibt, ist ein Einfluss, der sich kaum überhören lässt, etwa wenn Kurt Cobain offen zugibt, sich an ihrem Songwriting orientiert zu haben.

Rückkehr ohne Stillstand

Als die Band Jahre später zurückkehrt, ist die Überraschung groß, doch noch größer ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie wieder anknüpft. Die Reunion ab 2004 wirkt nicht wie ein nostalgisches Projekt, sondern wie eine Fortsetzung unter veränderten Bedingungen. Neue Veröffentlichungen entstehen, Tourneen folgen in dichter Folge.

Vor allem auf der Bühne zeigt sich, was die Pixies über Jahrzehnte getragen hat. Keine großen Gesten, kaum Ansagen, stattdessen ein konzentrierter Strom aus Songs. Die Stücke stehen für sich, roh und präzise zugleich. Was früher als Bruch wahrgenommen wurde, erscheint hier als Methode. Laut gegen leise, Chaos gegen Struktur.

Vierzig Jahre Gegenwart

Mit der Tour „P40 Celebrating 40 Years“ markieren die Pixies nun ein Jubiläum, das weniger zurückblickt als vielmehr verdichtet, was diese Band immer ausgemacht hat. Die Setlists greifen tief in die eigene Geschichte, ohne sie museal wirken zu lassen. Alte Stücke behalten ihre Dringlichkeit, weil sie nie bloß Produkte ihrer Zeit waren.

So zeigt sich auch nach vier Jahrzehnten eine Band, die sich der eigenen Legendenbildung entzieht. Die Pixies funktionieren weiterhin am besten dort, wo alles gleichzeitig passiert: Kontrolle und Kontrollverlust, Melodie und Lärm, Vergangenheit und Gegenwart. Genau in diesem Spannungsfeld liegt ihre anhaltende Relevanz.