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	<title>F.I.M. Festival-Archiv - Main Kritik</title>
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	<description>Kust- und Kulturkritiken aus dem Rhein-Main-Gebiet</description>
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	<title>F.I.M. Festival-Archiv - Main Kritik</title>
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		<title>F.I.M. Festival: Improvisation als musikalisches Gespräch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[main-admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 10:12:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Konzertkritik: Das F.I.M. Festival für Improvisierte Musik bringt Musikerinnen und Musiker in wechselnden Besetzungen zusammen. Eine Konzertkritik über Improvisation, Zuhören und musikalischen Dialog.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mainkritik.de/f-i-m-festival-improvisation-als-musikalisches-gespraech/">F.I.M. Festival: Improvisation als musikalisches Gespräch</a> erschien zuerst auf <a href="https://mainkritik.de">Main Kritik</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">F.I.M. Festival: Philipp Gropper und Luís Vicente | © rabirius</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste, was auffällt, ist die Stille zwischen den Tönen. Nicht die Stille als Pause, sondern als Spannung. Im Saal der Brotfabrik wagt sich kaum jemand zu rühren, während drei Musiker gerade fast nichts spielen. Ein Zischen aus dem Saxofon, ein Knistern aus der Gitarre, ein gehaltener Atem am Schlagzeug. Dann der Umschlag, plötzlich und ohne Ankündigung: Das Schlagzeug bricht in einen Wutausbruch los, und der ganze Saal wird aus seiner Andacht gerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Momente gab es beim <a href="https://fim-ffm.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>F.I.M. Festival für Improvisierte Musik</strong></a> vom 1. bis 4. Oktober in Frankfurt immer wieder. Neben den musikalischen Begegnungen gehörten auch ein Film sowie Tanz und ein Workshop zum Festival. Die folgenden Konzerte bilden deshalb nur einen Ausschnitt aus einem Programm, das Improvisation aus unterschiedlichen Perspektiven erfahrbar machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn wer improvisierte Musik als Aneinanderreihung spontaner Einfälle versteht, verpasst ihren eigentlichen Kern. Improvisation ist weniger das Erfinden als das Reagieren. Wer improvisiert, hält keine Rede, er führt ein Gespräch. Das Schlagzeug wirft eine Frage in den Raum, das Saxofon antwortet, die Gitarre widerspricht. Der Bass murmelt etwas dazwischen, das zunächst wie ein Einwurf klingt, bis sich herausstellt: Es war der eigentliche Gedanke des Abends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das F.I.M. Festival macht dieses Prinzip zum Ausgangspunkt seines Programms. Statt fertige Formationen einfach auf eine Bühne zu stellen, bringt es Musikerinnen und Musiker in wechselnden Besetzungen zusammen, darunter auch solche, die zuvor noch nicht miteinander gespielt haben. Jede dieser Konstellationen entwickelt ihre eigene Sprache. Manche Gespräche bleiben tastend und leise, andere geraten heftig aneinander. Sicher ist nur: Was dabei entsteht, lässt sich nicht vorab festlegen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zuhören, bevor man antwortet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gibt es kein Skript. Es gibt nur Zuhören, und zwar ein radikales Zuhören: jenes Zuhören, bei dem man nicht schon im Kopf die eigene Antwort formuliert, während der andere noch spricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer im Jazz nur darauf wartet, bis er an der Reihe ist, klingt wie jemand auf einer Party, der ein Gespräch nur als Pause zwischen den eigenen Anekdoten erträgt. Wer dagegen wirklich erwidert, kann aus einem falschen Ton einen Versprecher machen. Und Versprecher sind bekanntlich oft die ehrlichsten Sätze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spielt man einen solchen Ton noch einmal, wird er zur Behauptung. Spielt der andere ihn nach, ist er plötzlich ein gemeinsames Thema. Miles Davis soll einmal gesagt haben, es gebe keine falschen Noten, nur falsche Anschlüsse. Für improvisierte Musik ist das ein treffendes Bild.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und manchmal, in den besten Momenten, passiert das Seltene: Alle sagen gleichzeitig dasselbe, ohne sich abgesprochen zu haben. Der Raum hält kurz den Atem an. Dann redet einer weiter, als sei nichts gewesen, und das Gespräch geht in die nächste Runde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Improvisation heißt also nicht, einfach etwas zu spielen. Sie heißt, etwas zu erwidern.</p>



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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Hamid Drake: Das Schlagzeug als Kommunikationsinstrument | © rabirius</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das F.I.M. Festival macht genau diese Form musikalischer Kommunikation zum Prinzip. Statt etablierte Bands mit einem festgelegten Programm auf die Bühne zu stellen, bringt das Festival Musiker in unterschiedlichen Konstellationen zusammen. Einige kennen sich seit Jahren, andere treffen an diesem Abend erstmals aufeinander. Es entstehen einmalige Besetzungen, die sich ihre Musik gewissermaßen selbst erarbeiten müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das macht die Konzerte nicht nur für das Publikum interessant. Es macht sie auch zu einem musikalischen Experiment.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vier Freunde und eine Keksdose</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Auftakt in der Brotfabrik am 2. Oktober machte SOC mit Lina Allemano an der Trompete, Uwe Oberg am Piano, Matthias Bauer am Kontrabass und Rudi Fischerlehner am Schlagzeug. Alle vier Musiker kennen sich bereits, entsprechend vertraut wirkte ihre Unterhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei behandelten sie ihre Instrumente zunächst alles andere als vertraut. Eine Keksdose wurde vor die Trompete gehalten, das Instrument so geblasen, dass statt eines eigentlichen Tons nur noch ein verstärkter Luftzug zu hören war. Am Klavier wurden die Saiten gezupft, als wäre es eine Gitarre. Auch Kontrabass und Schlagzeug wurden nicht einfach so gespielt, wie es die Gebrauchsanweisung vorsieht. Vermutlich ein Gräuel für jeden Musiklehrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hier saßen vier erfahrene Musiker auf der Bühne, die genau wussten, was sie taten. Ihre Musik wirkte wie ein Gespräch unter Freunden, die sich nach längerer Zeit wiedersehen und einiges nachzuholen haben. Zunächst vorsichtig, dann zunehmend lebhafter, mit Abzweigungen in ungewohnte Klangwelten und immer wieder zurück zu vertrauteren Jazzpassagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend war dabei weniger, was die einzelnen Musiker ihren Instrumenten entlockten, als die Aufmerksamkeit, mit der sie aufeinander reagierten. Die Musik driftete vom beinahe klassischen Jazz ins Atonale und wieder zurück, ohne dass diese Wechsel wie Brüche wirkten. Einer gab ein Thema vor, die anderen griffen es auf, veränderten es oder führten es an einen völlig anderen Ort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch funktionierte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn Instrumente zu Körperteilen werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im anschließenden Trio mit Elliott Sharp an der Gitarre, Shahzad Ismaily am Bass und Chris Corsano am Schlagzeug wurden die Instrumente weniger gegen ihre Gebrauchsanweisung gespielt. Dafür schienen sie zunehmend mit ihren Spielern zu verschmelzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Elliott Sharp war irgendwann kaum noch zu unterscheiden, ob seine Finger über das Griffbrett oder den Korpus der Gitarre glitten. Die Saiten wurden nicht einfach angeschlagen, sondern in einer beinahe körperlichen Bewegung bearbeitet. Bei Chris Corsano wirkten die Drumsticks wie eine Verlängerung seiner Hände. Die Trommeln und Becken wurden nicht nur geschlagen, sondern bearbeitet, gestreichelt und immer wieder in Bewegung versetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders eindrucksvoll war Shahzad Ismaily, der seinen Bass um ein Keyboard erweiterte. Eine Tonfolge konnte auf dem Bass beginnen, auf dem Keyboard weitergeführt und später wieder an den Bass zurückgegeben werden. Schon dieser Wechsel der Instrumente hatte etwas von einer kleinen Improvisation innerhalb der Improvisation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber natürlich blieb Ismaily Teil des größeren Gesprächs. Hier wurde nicht nur leise miteinander verhandelt. Die Themen konnten sperrig werden, die Diskussion lauter. Doch nach einer besonders heftigen Auseinandersetzung konnte die Musik wieder beinahe unhörbar leise werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade darin lag die Stärke des Trios: Lautstärke war kein Ausdruck von Dauererregung, sondern ein Teil der Dramaturgie. Die Musiker konnten einen Gedanken bis an die Grenze treiben und ihn dann ebenso selbstverständlich wieder zurücknehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Gespräch unter alten Bekannten</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-80868740 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Dialog des Abends war tatsächlich einer unter alten Bekannten. Caspar Brötzmann an der Gitarre und Hamid Drake am Schlagzeug kennen sich seit Jahren. Drake stand bereits mit Brötzmanns Vater Peter auf der Bühne und hat auch mit Caspar Brötzmann mehrfach zusammengearbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brötzmann spielte seine Gitarre demonstrativ andersherum, mit den Basssaiten unten, und ließ sie mit reichlich Verzerrung sprechen. Das passte zu seiner musikalischen Herkunft, die ebenso stark vom Rock wie vom freien Jazz geprägt ist. Drake antwortete zunächst mit einem ebenso direkten Schlagzeugspiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde laut. Schließlich hatten die beiden einiges zu erzählen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
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</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dieser ersten, längeren Konversation unterbrach Drake den Dialog für einen kleinen Zwischenbericht. Mit Handtrommel und Gesang entwickelte er eine Solo-Performance, während Brötzmann zunächst zum Zuhörer wurde. Danach nahm das Duo den Faden wieder auf und setzte sein Gespräch fort, nun dichter und vertrauter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider wurde dieser Auftritt von einem anhaltenden Summen aus Brötzmanns Verstärker begleitet. Drake vermutete eine Rückkopplung, möglicherweise verursacht durch Geräusche der Scheinwerfer. Ebenso denkbar wäre ein nicht geerdetes Element irgendwo im Setup gewesen. In den lauten Passagen ging das Geräusch weitgehend unter, in den ruhigeren Momenten wurde es jedoch durchaus störend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Musiker selbst ließen sich davon nicht beeindrucken. Ihr Dialog geriet nicht aus dem Takt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn ein Gespräch eskaliert</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-80868740 wp-block-columns-is-layout-flex">
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</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Am zweiten Abend in der Brotfabrik änderte sich der Tonfall zunächst radikal. Camila Nebbias Saxofon klang, als hätte es etwas zu klären. Wütend, unmittelbar und ohne jede Aufwärmphase. Paal Nilssen-Love am Schlagzeug nahm diese Energie sofort auf. Elliott Sharps Gitarre schien zwischen den beiden eher zu vermitteln, allerdings ohne deshalb leise zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Performance war laut, atonal und von einer fast körperlichen Wut geprägt. Doch gerade in dieser Wut lagen die überraschendsten Momente. Denn plötzlich konnte die Musik fast vollständig in sich zusammensinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war da wieder diese Stille.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Ungewöhnliche, kaum greifbare Klänge erzeugten eine Spannung, bei der der gesamte Saal stillsaß. Niemand rührte sich. Man wartete darauf, was als Nächstes gesagt werden würde. Und dann kam es: ein neuer Ausbruch des Saxofons, der die gerade entstandene Ruhe mit einem Schlag zerriss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wirkung entstand vor allem durch die abrupten Wechsel. Es gab keine langen Übergänge, keine Ankündigung dessen, was jetzt folgen würde. Die drei Musiker wechselten innerhalb von Sekunden von Aggression zu Konzentration, von Lärm zu fast vollständiger Stille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dieses Konzert ein Gespräch war, dann eines, bei dem die Beteiligten durchaus heftig aneinandergerieten. Die Musik ließ die Spannung nicht verschwinden. Sie machte sie hörbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Abendgesellschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Set des Abends war dazu ein bemerkenswertes Gegenprogramm. Philipp Gropper am Saxofon, Luís Vicente an der Trompete, Kit Downes am Piano, Shahzad Ismaily am Bass und Hamid Drake am Schlagzeug entwickelten eine ganz andere Form der Kommunikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte sich eine Abendgesellschaft vorstellen. Nach dem Essen nimmt man in der Sitzecke Platz, eine Flasche Wein wird geöffnet. Gespräche entstehen. Mal spricht die ganze Gruppe miteinander, mal bilden sich kleinere Runden. Zwei Menschen vertiefen ein Thema, während sich andere einmischen oder nebenbei einen ganz eigenen Gedanken verfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau so wirkte dieses Quintett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden Bläser handelten häufig eigene Themen miteinander aus, verloren aber nie den Kontakt zum größeren Zusammenhang. Kit Downes am Piano übernahm dabei beinahe die Rolle des perfekten Gastgebers: Er verband die verschiedenen Gespräche miteinander und sorgte dafür, dass aus den einzelnen Stimmen ein gemeinsames Ganzes entstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders beeindruckend war die Rhythmusgruppe. Hamid Drake bewies, dass Rhythmus offenbar tatsächlich in den Körper übergehen kann. Selbst wenn er das Schlagzeug nur für einzelne Effekte einsetzte, schien der Groove darunter weiterzulaufen. Shahzad Ismaily verstärkte diesen Sog mit seinem Bass und erweiterte ihn immer wieder durch das Keyboard.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war keine Diskussion, die nach einem Streit in eine Einigung münden musste. Eher eine Gesellschaft, in der mehrere Gespräche gleichzeitig stattfinden und trotzdem niemand den Überblick verliert.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac5deda2ea61&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac5deda2ea61" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="1024" height="683" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-1024x683.jpg" alt="Mensch und Maschine: Jan Bang beim F.I.M. Festival | © rabirius" class="wp-image-1565" srcset="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-1024x683.jpg 1024w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-300x200.jpg 300w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-768x512.jpg 768w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-1536x1024.jpg 1536w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-2048x1365.jpg 2048w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Jan_Bang-rabirius-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Mensch und Maschine: Jan Bang beim F.I.M. Festival | © rabirius</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mensch und Maschine</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem dritten Set nahm der Abend eine weitere Wendung. Lucy Railton am Cello und an der Elektronik, Jan Bang mit Live-Sampling und Programming sowie Eivind Aarset an Gitarre und Elektronik verschoben die Musik deutlich in Richtung Elektronik und Neuer Musik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunikation wurde leiser, aber nicht weniger intensiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier gab es Spannungen, doch diesmal keine Wutausbrüche. Die Musiker hörten einander zu, griffen Klänge auf und ließen sie verändert wieder zurück in den Raum fließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders faszinierend war die Beziehung zwischen Lucy Railtons Cello und Jan Bangs Live-Sampling. Bang nahm Klänge des Cellos auf und ließ sie elektronisch weiterleben, sodass Railtons Instrument manchmal noch zu spielen schien, obwohl sie den Bogen bereits abgesetzt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bang selbst ging auffallend vorsichtig mit seinem Instrument um. Er berührte es kurz und zog die Hand gleich wieder zurück, beinahe so, als würde er eine heiße Oberfläche testen. Seine Bewegungen wirkten dabei fast wie Reaktionen auf die Klänge, die um ihn herum entstanden. Er tastete sich an sie heran, nahm einzelne Geräusche auf und veränderte sie, ohne sie vollständig ihrer ursprünglichen Herkunft zu berauben. So entstand zunehmend ein eigentümlicher Dialog zwischen dem akustischen Klang des Cellos und der elektronischen Welt, in die Bang ihn überführte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eivind Aarset saß eher im Hintergrund und modulierte seine Gitarrensounds so, dass sie sich mit diesem Klangkosmos verbanden. Mal war kaum auszumachen, wo das Cello aufhörte und die Elektronik begann, mal trat die Gitarre hervor und setzte einen neuen Akzent. Die drei Musiker schienen weniger nebeneinander als miteinander zu spielen, wobei jeder Klang sofort wieder Material für die nächste Antwort wurde.</p>



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<div class="wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Mensch und Maschine waren hier deshalb weniger Gegenspieler als Gesprächspartner. Railton brachte kurze melodische Bögen und akustische Klangfarben in die Elektronik ein, während Bang diese aufgriff, veränderte und in anderer Form zurückgab. Aarset wiederum erweiterte den entstandenen Raum mit seinen Gitarrenklängen. Dadurch blieb die Musik trotz ihrer teilweise stark fragmentierten und elektronisch bearbeiteten Strukturen körperlich und greifbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweimal schaukelte sich das Trio sogar so weit hoch, dass aus den einzelnen Geräuschen plötzlich Beat und Groove entstanden. Doch lange hielt dieser Zustand nicht an. Das Gespräch nahm wieder eine andere Richtung.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac5deda2f498&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac5deda2f498" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="683" height="1024" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-683x1024.jpg" alt="Lucy Railton am Cello beim F.I.M. Festival | © rabirius" class="wp-image-1566" srcset="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-683x1024.jpg 683w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-200x300.jpg 200w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-768x1152.jpg 768w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-1024x1536.jpg 1024w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-1365x2048.jpg 1365w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-1320x1980.jpg 1320w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Lucy_Railton-rabirius-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /><button
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		</button><figcaption class="wp-element-caption">Lucy Railton am Cello beim F.I.M. Festival | © rabirius</figcaption></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Mehr Groove gab es anschließend mit Anushka Chkheidze. Die georgische Elektronikkünstlerin erzeugte spontan komplexe Klangstrukturen und machte daraus eine Art musikalisches Selbstgespräch. Eines, dem man allerdings ausgesprochen gern zuhörte und zu dem sich der Körper beinahe automatisch bewegte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Gaita als Kommunikationssystem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine besonders ungewöhnliche Perspektive eröffnete am 4. Oktober Carme López im Nebbienschen Gartenhaus. Die galizische Gaita-Spielerin nahm ein Instrument, dessen Tradition Jahrhunderte zurückreicht, und machte daraus ein zeitgenössisches Kommunikationssystem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">López führte keinen musikalischen Monolog. Sie zerlegte den Klang ihres Instruments gewissermaßen in einzelne Botschaften. Verschiedene Geräusche und Töne der Gaita wurden in ein Loopgerät eingespeist. Dabei nutzte sie nicht nur das eigentliche Instrument. Auch andere Bestandteile, darunter die Bocales, wurden zur Klangerzeugung eingesetzt und in den Loop aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschließend wurden diese Klänge elektronisch bearbeitet, wiederholt und miteinander verbunden. Aus einzelnen Klangereignissen entstand nach und nach eine eindeutig musikalische Struktur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte darin beinahe ein Kommunikationsmodell erkennen: Die Gaita produziert einen Ton, die Botschaft. Loopgerät und Effekte bilden den Kanal. Am Ende steht das Ergebnis, das beim Empfänger ankommt, beim Zuhörer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">López&#8216; Stück brauchte etwas Zeit, um seine Wirkung vollständig zu entfalten. Doch je mehr Klänge sie in diesen Kommunikationskanal schickte, desto überzeugender wurde das Ergebnis. Aus einzelnen Botschaften entstand allmählich ein Zusammenhang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier war Musik also weniger ein fertiges Produkt als ein Prozess des Sendens, Empfangens und Verarbeitens.</p>



<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6ac5deda2ff82&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6ac5deda2ff82" class="wp-block-image size-large wp-lightbox-container"><img decoding="async" width="1024" height="683" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-1024x683.jpg" alt="Natur und Technik: Carme López im Nebbienschen Gartenhaus | © rabirius" class="wp-image-1562" srcset="https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-1024x683.jpg 1024w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-300x200.jpg 300w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-768x512.jpg 768w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-1536x1024.jpg 1536w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-2048x1365.jpg 2048w, https://mainkritik.de/wp-content/uploads/2026/10/FIM-Festival-Carme_Lopez-rabirius-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><button
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<h2 class="wp-block-heading">Was vom Gespräch bleibt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke des F.I.M. Festivals. Nicht unbedingt in einzelnen spektakulären Momenten, sondern in den kleinen Augenblicken, in denen man beobachten kann, wie Musik entsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders spannend waren die Formationen mit Musikern, die zuvor noch nie miteinander gespielt hatten. Niemand konnte genau wissen, wohin die Musik führen würde. Jeder musste zuhören, reagieren und sich auf das einlassen, was der andere gerade vorgab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch aufschlussreicher war allerdings, dieselben Musiker in unterschiedlichen Konstellationen zu erleben. Elliott Sharp klang im Trio mit Shahzad Ismaily und Chris Corsano anders als im Zusammenspiel mit Camila Nebbia und Paal Nilssen-Love. Auch Hamid Drake war als Partner von Caspar Brötzmann ein anderer Schlagzeuger als im Quintett mit Philipp Gropper, Luís Vicente, Kit Downes und Shahzad Ismaily.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein Widerspruch. Es ist das Prinzip.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im wirklichen Leben bestimmt nicht nur derjenige, der spricht, was aus einem Gespräch wird. Die Gesprächspartner und das Thema verändern unsere Sprache. Wir sind nicht mit jedem Menschen dieselben Menschen. Wir antworten anders, weil uns jemand anderes gegenübersteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Improvisierte Musik macht diesen Vorgang hörbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das F.I.M. Festival ist deshalb mehr als eine Reihe von Konzerten mit Musikern aus Jazz, freier Improvisation und Neuer Musik. Sein eigentliches Potenzial liegt in den ungewöhnlichen Zusammenstellungen. Das Festival schafft Situationen, in denen Musiker ihre gewohnten Rollen verlassen und im Spiel herausfinden müssen, was zwischen ihnen möglich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Publikum wird daraus ein seltener Einblick in einen musikalischen Entstehungsprozess. Man hört nicht nur Musik, sondern erlebt, wie sie sich im Augenblick formt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht sind es gerade diese kleinen Momente, in denen etwas Unerwartetes entsteht, die musikalische Entwicklungen vorwegnehmen. Ein Klang, der zunächst wie ein Versprecher wirkt. Eine unerwartete Antwort. Eine Verbindung, die vorher niemand geplant hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch endet mit dem letzten Ton nicht unbedingt. Vielleicht bleibt etwas davon zurück, das beim nächsten Musiker, beim nächsten Konzert oder irgendwann ganz woanders wieder aufgegriffen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist zu hoffen, dass das F.I.M. Festival noch lange Gelegenheit für solche Gespräche schafft. Denn Improvisation ist nicht Zufall. Sie ist eine Form von Kommunikation, die im Moment entsteht, sich ständig verändert und gerade deshalb in jeder neuen Begegnung anders klingt. Das Festival schafft den Raum dafür, dass solche Begegnungen immer wieder neu entstehen können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mainkritik.de/f-i-m-festival-improvisation-als-musikalisches-gespraech/">F.I.M. Festival: Improvisation als musikalisches Gespräch</a> erschien zuerst auf <a href="https://mainkritik.de">Main Kritik</a>.</p>
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